Strombolianische Eruptionen

Leuchtturm im Tyrrhenischen Meer...

so nannten bereits die antiken Seefahrer den Vulkanberg und wiesen damit zugleich auf die fortwährenden Eruptionen hin, die weit herum sichtbar sind. In einer Nacht kommen da gut und gerne zwischen 20 und 50 Eruptionen zusammen. Meistens sind diese Ausbrüche ungefährlich und können gut beobachtet werden. Dieses Vulkanverhalten begründete denn auch den Ruf des Stromboli als "zahmen Vulkan" seit der 2. Hälfte des letzten Jahrhundert.

 

Am 11. September 1930 ereignete sich eine der stärksten explosiven Eruptionen der jüngeren Vergangenheit des Strombolis. Pyroklastika flog bis in die Ortschafen an der Küste der Vulkaninseln. Im Ort Ginostra wurden 14 Häuser beschädigt, bzw. zerstört. Zudem entstanden zwei Ascheströme (manche Berichte sprechen von Pyroklastischen Strömen) die durch den Ortsteil Sant Bartolo flossen und 6 Menschenleben forderten. Nach diesem Ereignis verließen viele Bauern die Insel und wanderten bevorzugt nach Australien aus. Zudem kam es 1941 und 1943 zu starken Explosionen, bei denen vulkanische Bomben in den Dörfern landeten.

 

Dann aber wurde es ruhig am Stromboli. Es folgten keine weitere, grosse und gefährliche Ausbrüche mehr. Die Attraktivität des Feuerberges aber nahm stetig zu. Mit Hilfe des legendären Filmes "Stromboli, Terra di dio" von Roberto Rosselini schaffte die Insel den Sprung in die Gegenwart. Der große Filmerfolg von 1949 mit Ingrid Bergmann in der Hauptrolle war der Startschuss für den Tourismus, von dem die Insel heute lebt.

 

Eine Besteigung des Stromboli war für berggewohnte Naturbeobachter und Fotografen ein MUSS. Unfälle infolge Eruptionen gab es keine. Dennoch bleibt der Vulkan unberechenbar... Das Bild des "zahmen Vulkans" erlöschte mit der grossen Eruption 2002. Mit diesem Ausbruch veränderte sich die Risikowahrnehmung. Der Vulkan wurde in der Folge zu einem der bestüberwachten Feuerberge der Gegenwart und durfte bis zum Jahre 2020 nur noch mit ausgebildeten Stromboliführern bestiegen werden. Das war weiterhin eine einträgliche Geldquelle für die einheimischen Führer, auf die nicht verzichtet werden sollte...

 

Im Jahre 2020 kam dann ein generelles Besteigungsverbot per Gesetzt. Der Katastrophenschutz hatte die Führung übernommen. So wurde die Höhenlinie 400müM. als Besteigungsgrenze eingeführt. Ab jetzt durfte der Stromboli nur noch für wisssenschaftliche Arbeiten bestiegen werden...

 

Im Jahre 2022 wurde ein zusätzliches Gesetz verabschiedet, das den Touristen nur noch ermöglichte, bis zur Höhenmarke 270müM. an der Sciara del Fuoco zu gehen. Die Aussichtspunkte auf der Höhe 400müM. durften nur noch mit einem autorisierten Führer begangen werden. Das ist klar keine Frage der persönlichen Sicherheit, sondern eine Sicherung des Einkommens für die sonst arbeitslosen Führer...

 

Als patentierter Bergführer mit internationalem Ausweis wurde ich auf dem 400er Punkt an der Sciara von einem einheimischen "Stromboliführer" während meiner fotografischen Arbeiten ausserhalb der Absperrungen freundlich kontrolliert und in Ruhe gelassen... für die folgende Besteigung der Cima 2022 schützte mich mein fotografischer Auftrag im Sinne der Wissenschaft...